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Auf festem Fuß – Kooperation mit Vibram

Internationales Netzwerken zahlt sich aus: Mit viel Energie präsentierte sich der Studiengang Accessoire Design im Jahr 2019 auf der Lineapelle Milano, der führenden Fachmesse für die lederverarbeitende Industrie. Rund ein Jahr später arbeitete der deutschlandweit einzigartige Design-Studiengang mit einem Weltmarktführer zusammen – Vibram. Der Marktführer für Laufsohlen mit Sitz in Mailand geht auf den Bergsteiger Vitale Bramani zurück, der 1937 seine Sohlen für Bergschuhe patentierten ließ. Die Liste der Schuhmarken, die mit Vibram-Sohlen arbeiten, ist lang und reicht vom Bereich Outdoor bis in das Luxus-Segment.

Den Marktführer für ‚rubber soles‘ an Bord zu haben, ist ein Glücksfall, sagt Studiengangleiterin Professorin Madeleine Häse. „Gummi muss vulkanisiert werden, das können wir in unseren eigenen Werkstätten nicht leisten.“ Zugleich ist die Sohle wie auch der Absatz ein Element, das das Design eines Schuhs stark prägt. „Das war auch gleichzeitig die Herausforderung, der Schuhsohle die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Schuh zu schenken“, sagt die Lehrbeauftragte Isabel Groba Castro, die zuletzt Bereichsleiterin Produktmanagement & Design Women footwear bei Zalando war und den Kurs gemeinsam mit der international tätigen Schuh-Designerin Maike Hinsberg betreute.

Die Studierenden sind mit den italienischen Gummi-Sohlen ganz unterschiedlich umgegangen, haben fertige Sohlen genutzt oder mit dem Material von Vibram experimentiert.

Céline Haake „Be Water“

Céline Haake hat sich auf eine marktnahe Industrie-Kollektion konzentriert und mit „Be Water“ zwei unterschiedliche Schuhe mit einer Vibram-Sohle produziert, einen Stiefel und Sneaker. Das Element Wasser nutzte sie als Ausgangspunkt: als Spiegelbild von uns Selbst, aber auch als Metapher für unsere Gedanken: Wellen, die kommen und gehen.

Maja Buhl „Tena-cy“

In Corona-Zeiten fest Fuß zu fassen, darauf konzentrierte sich Maja Buhl mit ihrer Kollektion „Tena-cy“. Ihre Arbeiten sind ein Appell, die Motivation und Energie nicht zu verlieren. „Wir sollten hartnäckig bleiben, denn wir lieben das Leben und lassen uns nicht von einem Virus unterkriegen.“ Die Gestaltung der Schuhe macht den Konflikt deutlich: die Farben rosé, orange und blau sind satt und zeigen Emotionen und repräsentieren die Gefühlswelt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Aber es gibt einen Weg aus der Krise und diese widerstandsfähige Kollektion ist wie gemacht dafür. Die massiven, fast Felsen-ähnlichen Sohlen und die groben Schließen symbolisieren Stabilität und Vertrauen. Alles Eigenschaften, die man auch sich selbst gegenüber aufbauen sollte.

Melanie Hauck „What if“

Mit dem Thema Protest hat sich Melanie Hauck in ihrer Schuh-Kollektion „What if“ befasst. „Wir gehen auf die Straße und engagieren uns. Manchmal ist man gefrustet, weil das alles doch nichts bringt – und dann möchte man sich am liebsten in Tagträumen verlieren“, sagt die Studentin. Oftmals ist das Tagträumen negativ konnotiert: es wird als Flucht vor der Realität gesehen, als irrational und naiv. In einer Welt mit hohem Leistungsdruck ist es nicht akzeptiert, „unkonzentriert“ und „abgelenkt“ zu sein. Doch tatsächlich ist das Tagträumen ein äußerst wichtiger Teil von uns. Es fördert die Persönlichkeitsentwicklung und sorgt für emotionale Stabilität und Gesundheit. Wir verarbeiten Geschehenes und bereiten uns auf Zukünftiges vor. Die Kollektion hat die passenden Schuhe für beides: stark und kantig für den Protest, leichtfüßig zum Träumen.

Carolin Knapp möchte durch ihren Entwurf bewirken, dass offen mit sonst verschwiegenen Themen umgegangen wird. Orthopädische Schuhgeschäfte strahlen durch grün oder blau Gesundheit aus, doch selbst diese Farbsprache hat keinen Einfluss auf die Schuhgestaltung. Viel Farbe, Freude beim Entdecken und "stolz sein", auf den doch meist sehr teuren Kauf, ist nicht. Es scheint, als würde die Gesellschaft aus Behinderung, Fehlstellung oder Krankheit ein Tabu machen.

Charlotte Lucke-Kramer "adyoust"

Die Kollektion soll so dem Träger ermöglichen, insgesamt weniger Schuhe "als Ganzes" zu konsumieren, sich individuell auszudrücken und spontan sein zu können. Außerdem entstehen noch weitere Vorteile bezüglich mehrerer Themen, die bisher bei Schuhen ein Problem darstellten. Schuhe, deren Sohle vom Upper getrennt sind, sind besser reparierbar, lagerbar und in Einzelparts austauschbar, oder auch neu erhältlich und so preisgünstiger und ressourcenschonend. Diese Möglichkeiten, den Schuhkonsum für sich umzugestalten und generell seinen Schuh zu gestalten, möchte Charlotte mit ihrer Kollektion adyoust dem Träger und Konsumenten bieten.

Celine Marie Blau "Reassembled"

Inspiriert sind die Gestaltungselemente und die Formensprache aus der Formenpsychologie der Architektur. Die zusammengesetzen Linien, Flächen und Formen ergeben im Ganzen ein Bild, eine Wirkung. Mit der Kollektion „Reassembled“ möchte Celine Marie Blau die Phasen einer psychischen Krisenbewältigung darstellen und damit die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit des eigenen Wohlbefindens und einer „gesunden“ Psyche veranschaulichen.

Toan Deng "Polarity"

Polarität bedeutet Gegensätzlichkeit bei wesenhafter Zusammengehörigkeit. Die Kollektion spiegelt unser Leben in seiner Vielschichtigkeit wieder.Veränderungen sind unausweichlich, aber gerade diese gestalten uns.„Polarity“ greift diesen Kontrast in der Fußbekleidung auf.Verschiedene Schuhtypen im Kontrast zueinander, ergänzen sich zu einem.

Antonia Garbe "THE /_FINNST COLLECTION"

In der Krise sehnen wir uns nach Sicherheit und Schutz, aber... Die Natur ist kein Zufluchtsort
: Sie kann rau, wild, unberechenbar sein und sie 
fordert dich heraus
. Die Kollektion will zeigen, dass wir Zuflucht in Gemeinschaft, in der Geborgenheit, die nur andere Menschen uns geben können
 finden. 

Deborah Feierabend "Let it grow"

Die Kollektion soll natürliche Bewegungen zeigen, und wie diese Kräfte und Zustände Prinzipien folgen. Diese Prinzipien werden bis ins kleinste zu erforscht und dadurch ermöglicht sie zu verstehen. 

Niklas Venter

Die Kollektion steht unter dem Motto zu kämpfen und nicht an das Aufgeben zu denken. 

Das Vibram-Team hat den Prozess eng begleitet, sowohl Concept Manager Masaya Hashimoto als auch Massimo Randone, der für Hochschul-Kooperationen zuständig ist. „Unser Vibram University Programm konzentriert sich darauf, gemeinsame Forschungsarbeit mit internationalen Design-Hochschulen aufzubauen. Die Ergebnisse unserer komplett digitalen Zusammenarbeit mit Pforzheim waren wirklich inspirierend. Wir sind immer interessiert daran, neue Editionen herauszubringen und technische und philosophische Faktoren im Zusammenhang mit dem Design eines Schuhartefakts zu verbessern." Zusätzlich vermittelte die Kooperation Wissen über Funktion und Technik, die hinter einer Sohle stehen. Mit dieser Zusammenarbeit haben die Pforzheimer Accessoire Design-Studierenden Fuß gefasst bei Vibram: weitere Projekte mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit werden folgen.

Pressekontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de, Tel: +49 (7231) 28-6718