Veranstaltung |  13 Feb 2022 - 05 Jun 2022 | Diözesanmuseum Rottenburg

Ausstellung „Glauben formen – Pracht gestalten“

Wie sieht eine heutige Mode aus, die sich mit mittelalter­licher Sakralkunst und der Darstellung biblischer Figuren und heiliger Personen auseinandersetzt? Dieser Frage sind Studierende des Studiengangs Mode an der Hochschule Pforzheim im Diözesanmuseum Rottenburg nachgegangen. Die Jahresausstellung „Shaping Faith – Fashioning Splendour. Glauben formen – Pracht gestalten“ setzt ein wesentliches Gestaltungsmittel der Werke der Sammlung neu in Szene: die Textilien. Mit einer Modenschau wurde die Ausstellung am Sonntag, 13. Februar 2022 eröffnet. Die Schau lädt bis 5. Juni 2022 ein, die Wechselbeziehung von Religion und Mode zu entdecken.

Acht Mode-Studierende haben sich von den Kunstwerken des Diözesanmuseums inspirieren lassen und aus dieser Auseinandersetzung moderne Kollektionen geschaffen. Nicht nur die Entwürfe sind im Museum zu sehen, sondern auch der Entstehungsprozess wird dokumentiert. Zudem geben digitale Entwürfe einen Einblick, wie liturgische Gewänder im Jahr 2121 aussehen könnten. „Wir kennen die Kunst, die uns umgibt“, sagte Dr. Daniela Blum zur Eröffnung, „aber den jungen Designerinnen und Designern verdanken wir einen neuen Blick auf die Werke, sie haben uns neue Welten eröffnet.“ Im Sommersemester 2021 startete die Kooperation mit einem Besuch im Museum. Dort wählten die Studierenden ihr Referenzobjekt aus, zunächst aber waren sie überwältigt von der Farbenpracht und auch ehrfürchtig dem gegenüber, was Menschen mehr als 500 Jahre vor uns gestaltet haben. „Die Vielschichtigkeit des Bildes der Heiligen Anna Selbdritt hat mich gefesselt. Die Mutter Marias thront streng wie eine Gouvernante in der Bildmitte. Die abrupt endenden Falten des Gewandes in ihrem bizarren Fall haben mich besonders inspiriert“, sagt Lennart Bohle. In seinen Entwürfen „Selbdritt“ lässt er die voluminösen Faltungen den gesamten Look dominieren. Amra El Gendi hat sich mit dem Werk „Abweisung Joachims im Tempel“ befasst und ihre Kollektion „Exclusion“ genannt. „Das Thema des Werks ist nach wie vor aktuell. Meine Arbeit thematisiert den psychologischen Aspekt von Perfektionismus und Ausgrenzung.“ Die innere Zerrissenheit lässt sie in ihrem Schnitt und der Materialbearbeitung sprechen. Sebastian Adam beschäftigt sich für die Kollektion „Pre-Holy“ mit der Suche nach der eigenen Heiligkeit. „Seemingly“ von Annalena Domke geht auf das Scheinbare und Unscheinbare des Lebens ein. Von der Bettelordenbewegung im Mittelalter ließ sich Julia Judenhahn für ihre Kollektion „Benedixismus“ inspirieren. Lea Mistrafovic interpretiert Maria Magdalena aus heutiger Sicht. Sie leidet psychisch, ist hilfsbereit und erhebt ihre Stimme für Veränderung – vereint in der Kollektion „We:Mirjam“. Melis Ögünc nutzt ein Bildnis der Krönung Marias für ihre Arbeit „Your energy is scared“. Im Bild „Verkündigung an Maria“ sieht Oliver Schraft Parallelen zum heutigen Inszenierungswahn in den sozialen Medien. Mit „Sacred Me“ gibt er dem Heiligen Ich eine opulente Form.

Die Ausstellung zeigt, dass Religion und Mode eben doch miteinander vereinbar sind. „Beide Bereiche haben ihre besondere Art, auf und in die Welt zu schauen. Dabei fallen viele Gemeinsamkeiten auf: Die Mode wie die Religion pflegen den Kult, zelebrieren Rituale, feiern die Ikonisierung, leben von der Inszenierung, wirken durch die Performance, stimulieren das Ideal und spielen mit Symbolen und Symboliken“, so Professorin Sibylle Klose, die das Projekt betreute.

Ausgangspunkt für den besonderen Fokus waren eine Neueinordnung des Gewandes in der Forschung und der musealen Präsentation in den vergangenen Jahren. Die Gewänder der spätmittelalterlichen Bildwerke des Museums werden nun nach ihrem symbolischen Gehalt befragt. Und da die mittelalterliche Kunst Heilige und biblische Gestalten in Gewändern ihrer Zeit darstellt, wird zudem die Frage gestellt, wie zeitgenössische Mode Inhalte transportiert. „Die Outfits der Studierenden stehen unseren altehrwürdigen Kunstwerken gegenüber, sodass traditionelle und zeitgenössische Interpretationen des Gewandes in den Dialog treten können“, so Museumsleiterin Dr. Melanie Prange. Kleider sind sprechend und Mode ist alles andere als nur Oberfläche.

 

Ausstellung „Shaping Faith – Fashioning Splendour. Glauben formen – Pracht gestalten“

Diözesanmuseum Rottenburg
Karmeliterstraße 9
72108 Rottenburg am Neckar

13. Februar bis 15. Juni 2022
Di – Fr 14 – 17 Uhr
Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr
Geschlossen: 24.2. – 1.3.; 15. – 17.4.2022

Zur Ausstellung ist im Verlag Thorbecke ein Katalog erschienen mit Beiträgen u.a. der Pforzheimer Professorinnen Sibylle Klose und Dr. Evelyn Echle.

www.dioezesanmuseum-rottenburg.de

 

 

Fotos: Petra Jaschke & Diözesanmuseum

Kontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de, Tel: +49 (7231) 28-6718