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Heinz Oestergaard - zum 100. Geburtstag

Foto: Andrea Baudendistel, Elisabetta Birmelin, Professor Oestergaard, Ingrid Mejer, Ursula Bienneck (v.l.n.r.)Informationsdienst Wissenschaft

Heinz Oestergaard gilt heute als der wichtigste deutsche Modedesigner der Nachkriegszeit.

Geboren als Sohn einer deutsch-dänischen Verlegerfamilie interessierte er sich schon früh für Mode, lernte Textilkaufmann und Schnitt und studierte Kunst bei Professor Breuhaus. 1946, als Berlin noch in Trümmern lag, eröffnete er dort seinen Modesalon. Er entwarf und fertigte, ganz in der Tradition der ehemaligen Berliner Couture, Kleider für prominente Persönlichkeiten von Film, Bühne, Funk und Fernsehen. Er nahm die Sehnsucht der Frauen der Nachkriegszeit nach dem Zauber von Mode auf: Aus alten Kleidungsstücken, die sie ihm mitbrachten oder Stoffen, die er auf dem Schwarzmarkt eingehandelt hatte, produzierte er seine Modelle. Und startete damit eine einzigartige Laufbahn.

Während in Paris der New Look von Dior propagiert wurde, entwickelte Oestergaard Schritt für Schritt seinen eigenen Stil: jugendlich, elegant und weniger dramatisch als die Pariser Mode. Er war einer der ersten, der sich für die Demokratisierung von Mode einsetzte und Kooperationen mit der Industrie suchte. Ab 1951 wurde er Berater von Industrieunternehmen wie Hoechst, Triumph, Girmes und  Bayer. Erfolgsbestimmend für seine Laufbahn waren Anfang der 1950er Jahre die Einführung der neuen Synthetik-Fasern Cupresa und Cuprama durch die Fa. Bayer. Mit Modellen aus diesen Fasern ging er auf Tournee durch Deutschland mit öffentlichen Modenschauen in 40 Städten.

1967 verlagerte er seinen Wohnsitz nach München und erfand sich und die Mode neu. Er wendete sich dem Corporate Design zu und entwarf funktionale Berufsbekleidung, z.B. die Uniformen der deutschen Polizei. Bis 1985 war er Modeberater des Versandhauses Quelle und wurde damit zum bekanntesten deutschen Modedesigner seiner Zeit. Bevor er sich 1985 in den Ruhestand zurückzog, war er von 1978 bis 1984 Professor für Mode an der Fachhochschule Pforzheim und verhalf dem Studiengang Mode zu internationaler Bekanntheit.

Oestergaard erhielt viele Ehrungen: 1996 wurde er mit dem Verdienstkreuz der Stadt Berlin und dem Bundesverdienstkreuz Deutschland ausgezeichnet. 1992 ehrte ihn seine Heimatstadt Berlin mit der Ausstellung „Mode für Millionen“ im Berlin Museum und ein Jahr später die Stadt Köln mit einer Ausstellung im Museum für angewandte Kunst. 2008 zeigte das Goethe Institut St. Petersburg eine von Prof. Dr. Ingrid Loschek kuratierte Ausstellung seiner Modezeichnungen. Er verstarb im Jahr 2003.