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Veranstaltung |  13 Mai 2017 |  13:00 Uhr | Galerie Rottloff

Story Teller

Unsere Professoren Matthias Kohlmann und Erich Reiling stellen gemeinsam in der Karlsruher Galerie Rottluff aus. 

Eröffnung: Samstag, 13. Mai 2017, 15 - 19 Uhr

Galerie Rottloff, Sophienstraße 105, 76135 Karlsruhe

Wer offen sei für Neues, der vermöge – einer Redensart zufolge – über den eigenen Tellerrand zu schauen. Matthias Kohlmann und Erich Reiling sind offen für Neues, und es kommt nicht von ungefähr, dass beide den Teller zum Medium ihrer Kongenialität auserkoren haben. 

Das Wort Teller leitet sich vom lateinischen taliare ab, was spalten, schneiden oder zerteilen (etwa von Fleisch) bedeutet. Matthias Kohlmann zerlegt in mannigfacher Hinsicht: seinen Werkgrund, indem er ihn aus verschiedenen Papierlagen collagiert; sein Zeichnungsgebilde, indem er Schraffen, Kritzelungen, Lineamente immer wieder im Leeren enden und neu beginnen lässt; unsere konventionellen Erwartungen vom (ab)geschlossenen Werk. Damit ist ein seiner Kunst zugrunde liegendes Prinzip umrissen: die Tabula rasa. Als Blatt, das Leerstellen und Offenheit aushält und ausstellt, steht sie für die Potentialität aller möglichen Bilder und damit für Kreativität schlechthin. So kommt die Zeichnung im Werk Matthias Kohlmanns zu sich selbst und wird als Disegno begreifbar, als Form gewordene Idee, als Gefäß aller geistigen Vorgänge. 

Erich Reiling agiert in geistesverwandter Weise: In Mischtechnik schichtet auch er einzelne Gründe – nicht materialiter, sondern malerisch, mal impulsiv, mal linealisiert –, indem er das Gemalte immer wieder übermalt, Malschichten partiell wieder abträgt, kratzend, kerbend und ritzend das Darunterliegende immer wieder freilegt. In diesem Wechselspiel opaker und transparenter Bildpartien wird die Zeichnung in einem figuralen wie literalen Sinn als eine aufgehobene erfahrbar, als eine, die zugleich sichtbar ausgelöscht und ersichtlich bewahrt wird. Damit pointiert die Kunst Erich Reilings die Idee des Palimpsests, die den menschlichen Geist als „immerwährende Schichten von Ideen, Bildern, Gefühlen“ (Thomas deQuincey, 1845) betrachtet und die neben derjenigen der Tabula rasa nichts Geringeres als die prominenteste Metapher für geistige und kreative Prozesse ist. 

Ein zentraler Bestandteil des Tellers ist dessen Vertiefung, der sogenannte Spiegel. Tatsächlich finden Matthias Kohlmann und Erich Reiling in ihren gemeinsam kreierten Tellern im je Anderen ihren Spiegel; gerade dadurch, dass beide Künstler in und durch ihr Zusammenarbeiten über den Rand ihres eigenen Tellers hinauszuschauen bereit sind, vermögen sie eben diesen, ihren eigenen Teller, erst eigentlich in den Blick zu bekommen. Und das ist es, was selbstbewusste Kunst ausmacht. (Auszug aus dem Katalog; Text: Prof. Dr. Thomas Hensel)