Veranstaltung |  12 Nov 2019 - 28 Feb 2020 | SAP Walldorf

Ausstellung "Vom Bauhaus zum Apphaus"

Vom Bauhaus zum AppHaus. Kreative Spielräume gestern und morgen

 

»Was ist Spiel? Spiel ist Arbeit – Arbeit (gern getane Arbeit) ist Spiel.«

(Alma Siedhoff-Buscher)

 

 

In unserer Gesellschaft hat sich der Wunsch, kreativ zu sein, so sehr gesteigert, dass er in einen „Kreativitätsimperativ“ (Andreas Reckwitz) umgeschlagen ist. Der Glaube an die menschliche Kreativität als ultimative ökonomische Ressource lässt allerorten Unternehmen nach den Faktoren fragen, die Kreativität und damit Innovation ermöglichen. Die aktuell am häufigsten gegebene Antwort auf diese Frage ist die Installierung von flexibel und möglichst inspirierend eingerichteten Kreativräumen, Innovationswerkstätten oder Zukunftslaboren, in denen mit Hilfe von Konzepten wie Design Thinking das spielerische Generieren von Ideen systematisch optimiert wird.

Die Ausstellung „Vom Bauhaus zum AppHaus. Kreative Spielräume gestern und morgen“ vertritt die These, dass ein maßgeblicher Impulsgeber für viele dieser als Katalysator für Kreativität gepriesenen und weltweit implementierten Räume und Methoden die spielerische Kultur des Bauhauses ist. Diese Kultur, die 2019 ihr einhundertstes Jubiläum feiert, äußert sich mannigfaltig: Viele der Bauhaus-Meister beschäftigten sich mit Spiel und Spielzeug, und bereits das Plakat für die Antrittsvorlesung eines seiner bekanntesten Lehrer Johannes Itten visualisiert leitmotivisch „unser Spiel“ als aufgehenden Stern, der die Freisetzung kreativer und geistiger Potenziale im von Itten entwickelten Bauhaus-Vorkurs symbolisiert. Unter anderem auf dessen Devise „Das Spiel wird zum Fest, aus dem Fest wird Arbeit, und Arbeit wird zum Spiel“ gründend, wurde das Bauhaus zur „ersten staatlichen Hochschule, in der bereits ab 1919 kreatives Spielen/Kreativitätstraining und Teamwork zum pädagogischen Programm und zur Studienrealität werden“ (Michael Siebenbrodt).

Dieser Impuls wird durch die gegenwärtige Innovationsökonomie aufgegriffen. So verstehen sich etwa die AppHäuser von SAP in mustergültiger Weise als eine „Hommage an die Bauhaus-Ära“ (Sam Yen). In der Tat lässt sich das anlässlich der Gründung des Bauhauses 1919 von Walter Gropius formulierte Manifest über weite Strecken wie ein Mission Statement heutiger Design Thinking-Workshops lesen: „Vermeidung alles Starren“, „Bevorzugung des Schöpferischen“, „Gemeinsame Planung“, „Mitarbeit aller Meister und Studierenden […] mit dem Ziel allmählichen Einklangs“.

Inspiriert von Spielräumen, Spielzeugen und Spielkonzepten des Bauhauses veranschaulicht die Ausstellung die Beziehungen zwischen den kreativen Spielkulturen und experimentellen Techniken des Bauhauses und vergleichbaren Ansätzen in zeitgenössischen Design-Workshops und Innovationslaboren. Ihren Ausgang nimmt die Ausstellung bei Georg Muches berühmtem Bauhaus-Musterhaus „Am Horn“ in Weimar. In Auseinandersetzung mit reformpädagogischen Überzeugungen von Friedrich Fröbel bis Maria Montessori realisierte die Studentin Alma Siedhoff-Buscher im „Haus Am Horn“ ein polyfunktionales Spielzimmer, eine „Welt, auf die es [das Kind] verändernd und selbsttätig im Spiel einwirken“ konnte (Klaus-Jürgen Winkler). Jedes Element dieser Welt war auf Offenheit und Kreativität angelegt: Genauso wie ein fahrbarer Leiterstuhl konnten Staukästen als Sitzkuben und als Seifenkisten „zum Spielen, Sitzen und Fahren“ genutzt werden, der zentrale Spielzimmerschrank hatte eine Tür mit Ausschnitt für ein Puppentheater, ein weiterer Schrank war als Puppenhaus bespielbar, und die Wickelkommode nahm nicht nur eine Badewanne auf, sondern ließ sich auch zu einem Schreibtisch umfunktionieren. Die Ausstellung inszeniert einen Dialog zwischen solchen Konzepten und Objekten des Bauhauses und geistesverwandten des 21. Jahrhunderts und zeigt Fotografien, Modelle, Möbel, Bücher, Filme und Spielzeuge – im Schulungszentrum von SAP als einem Ort, der wie kaum ein anderer diese Tradition fortführt.

 

Kuratiert von Prof. Dr. Thomas Hensel, Lehrstuhl für Kunst- und Designtheorie, Hochschule Pforzheim

 

SAP SE Internationales Schulungszentrum

Dietmar-Hopp-Allee 20

69190 Walldorf

Building 5, Headquarters

 

Öffnungszeiten:

25.10.2019–28.2.2020

Mo–Fr von 10–18.30 Uhr

www.sap.de/kunst

Fotos: Carl Eller
Pressekontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de, Tel: +49 (7231) 28-6718