Bachelor Thesis SS 2020

Lingjie Wang - Verborgene Kraft

Verborgene Kraft repräsentiert verschiedene Gefühle und Einsichten im Wahrnehmungssystem und enthält in verschiedenen Kontexten mehrere Bedeutungen.
Es handelt sich um eine graduelle Kraft, die durch die Interaktion zwischen Materialien und Umgebung die materiellen Eigenschaften der ersten Eindrücke durchbricht.
Es ist eine Zugkraft, die die getrennten Vorder- und Rückseiten der Stücke miteinander verbindet, so dass die Objekte an der Kleidung befestigt und zu Schmuckstücken werden können.
Sie kann als eine Kraft der Transformation betrachtet werden, die in der Lage ist, Abstraktes in Konkretes, Fetzen in Schätze zu verwandeln.
Jedes Stück enthält ein Wort, das nicht nur die Form definiert, sondern auch unbewusst angedeutet wird. Von einer 2. Dimension zu einer 3. Dimension, vom Konkreten zum Abstrakten wird die Form transformiert. Die Textinformation, die Textur auf der Oberfläche wird zufällig bedeckt und in der Interaktion zwischen den verschiedenen Materialien und der Umgebung neu verteilt.

www.lingjiewang.com

Foto: Petra Jaschke

 

 

Jessica Joy Esparon - jenastyca

Die Bachelorarbeit „jenastyca“ von Jessica Joy Esparon befasst sich mit dem aktuellen Bild der Frau in Deutschland. Sie macht sichtbar wo und wie patriarchale Strukturen noch einwirken und ermutigt dazu gegen sie aufzubegehren.
Mit Ihrem Schmuck will Sie Frauen jeden Alters bestärken ein autonomes Leben zu führen. Dies versucht Sie mit positiven Botschaften, die mit Hilfe von Brailleschrift, welche in den Schmuckstücken integriert sind, zu erzielen. Die Trägerinnen werden durch wiederholtes Ertasten angeregt, die Botschaften zu verinnerlichen, wodurch sie von innen heraus gestärkt agieren.
Auch die schmuckuntypische Materialwahl, ein dunkel schimmernder Ton, ergab sich aus der Konsequenz Schmuck unkonventionell zu benutzen. Ursprünglich erfüllte Schmuck mit seinen hochwertigen Materialien oftmals den Zweck, den Wert seiner Trägerinnen zu erhöhen. (Knerr, Anne- Barbara (2009): Schmuck und Sinn. Fragen und Antworten zum Phänomen Schmuck) Laut J.J.Esparon, brauchen Frauen jedoch lediglich eine Erinnerung an deren angeborenen Wert, deshalb entschied sie sich für ein schlichteres Material, welches durch das einwirken des Künstlerin seinen Wert erhält.
Jenastyca ist ein Plädoyer an die Selbstliebe und soll besonders Frauen dazu ermutigen sich abzugrenzen und für sich einzustehen, keinesfalls ist es eine Ansage gegen Männer, besonders da auch sie an den Strukturen des Patriarchat leiden.
Es ist viel mehr ein Aufruf an alle, die für die Freiheit und Gleichheit aller glauben und bereit sind dafür einzustehen.

instagram.j.j.e_jewellerydesign

jessica.esparon(at)web(dot)de

Foto: Jessica Joy Esparon

 

 

Valentina Michaelis - Zwischenlärm

In ihrer Abschlussarbeit hat sich Valentina Michaelis mit der Sortierung mentaler und innerer Unordnung und dem Lösungsprozess aus verworrenen Situationen beschäftigt. Im Mittelpunkt steht der so benannte Zwischenlärm, ein Moment der Reflexion äußerer und innerer Umstände. Er agiert als Punkt der Entscheidung und hilft Energien in positive Richtungen zu lenken. Der Zwischenlärm bezeichnet den Übergang von wirren Zuständen hin zu fließender positiver Aktivität.
Die fünfteilige Schmuckserie greift den inneren Kampf und den Prozess des Lösens auf. Entstanden sind Broschen, die durch eine Änderung der Körperhaltung oder durch eine bewusste Aktivität  eine Wandlung von einem scheinbaren Durcheinander hin zu etwas Fließendem vollziehen.
Hauptmaterial der Arbeit ist zu Stäbchen geschliffener Marmor, die in Silberverbindungen gefasst wurden.

www.valentinamichaelis.com
mail(at)valentinamichaelis(dot)com
instagram: valentina.michaelis

Foto: Petra Jaschke

 

 

Anina Löwe - Mittel zum Zweck

Mittel zum Zweck ist ein Phänomen dem wir Tag täglich begegnen. Es ist ein Instrument mit dem man fokussiert ein Ziel erreichen kann. Oftmals spielt es nur eine nebensächliche Rolle und bekommt weniger Aufmerksamkeit als jenes Ziel, das letztendlich erreicht werden soll.

Schon in der Frühzeit der Menschheit existierte Mittel zum Zweck dies zeigte sich im Urzweck des Überlebens. Dieser Urantrieb ist heute noch aktuell. Mit der Zeit und der steigenden Intelligenz des Gehirns, sowie mit dem verbundenen Wissen wurden die Mittel zum Zwecke stetig komplexer.

In Ihrer Abschlussarbeit setzt sich Anina Löwe mit dem „Mittel zum Zweck“ auseinander und wendet das Phänomen bewusst an. Angefangen von einer Corona (Virus) bedingten Isolation und dessen erschwerten Möglichkeiten, über die Auswahl der Materialien bis hin zur Formensprache und Entstehung, beeinflusst „Mittel zum Zweck“ die Lichtobjekte.
Selbst die eigentliche Funktion der Lampe, Licht zu spenden, beruht auf dieser Thematik.
Die Lampen spiegeln zusammen den Prozess von Mittel zum→ Zweck und dessen Weiterentwicklung wieder. Eine Abfolge die sich stetig wiederholt, verbessert um schließlich zum optimale Ergebnisse zu gelangen.

ani-loewe(at)web(dot)de

Foto: Petra Jaschke

 

 

Laura Stachon - misappropriate

misappropriate versteht sich als eine Methode, die sich der Gewöhnlichkeit des Lebens widmet, um aus ihnen absurde und unheimliche Abbilder der Realität zu schaffen.
Im Fokus der praktischen Arbeit stand die Entfremdung des Türgriffes, der ein essentieller Teil unseres Alltags ist. Jedoch sind wir uns dem Türgriff nie richtig bewusst, durch die Gewöhnlichkeit wird er im Alltag weniger beachtet. In meiner Arbeit taucht er gesondert auf ohne eindeutige Funktion, wodurch sich neue Wege der Verbindung zum Menschen finden.  
Es wird eine andersartige Beziehung mit dem Körper angestrebt, die von Intuition geleitet wird, ohne an den gewöhnlichen Umgang zu denken. Die entstandene Fremdheit verleiht den Türgriffen eine Lebendigkeit. Der Türgriff zeigt sich als ein Fragment des Körpers, wie Finger, die sich verselbständigen. Dieser banalen Form, nach der wir jeden Tag unbewusst greifen, wurden menschliche Eigenschaften eingehaucht und erscheint uns plötzlich vertrauter und gleichzeitig unbekannter als je zu vor. Durch eine unsichtbare Kraft können sich die Türgriffe miteinander verbinden und schließlich nach der Hand greifen.

laurastachon(at)gmail(dot)com
Instagram: @laurastachon

Foto: Petra Jaschke

 

 

Victor Hahner - Das Peter und der Wolf Prinzip

Thema Victor Hahners Abschlussarbeit ist die Wahrnehmung von uns allen. "Das Peter und der Wolf Prinzip" beschreibt wie wir durch die Wahrnehmung unserer Sinne und deren Kombination unsichtbares sichtbar und sichtbares hörbar machen können. Ziel ist es, dieser Kombination der Wahrnehmung welche wir im frühen Kindesalter verlieren, wieder ein Stück näher zu kommen.
Prokofjews Musikmärchen „Peter und der Wolf“ handelt von einem kleinen Jungen Namens Peter, welcher im idyllischen Umfeld von Natur und frei laufender Tiere bei seinem Großvater aufwächst. Das Stück wurde mit dem Ziel verfasst Kindern, mithilfe einer Geschichte, die Instrumente eines Sinfonieorchesters näher zu bringen. Jedem Protagonisten ist ein eigenes Instrument zugeschrieben, welches Charakter, Bewegung, Reaktion und Aktion der jeweiligen Figur beschreibt und verkörpert.
Prokofjew schafft es dem Zuhörer, auf spielerische Art und Weise, vor seinem inneren Auge eine Geschichte zu verdeutlichen. Nur mithilfe der Musik werden dem Zuhörer die Umgebung, die Charaktere, deren Eigenschaften und ihre Reaktionen vermittelt. Es gibt keine visuellen Reize jedoch hat der Betrachter ein klares Bild der Protagonisten vor sich.
Der Mensch, sei es im Kindesalter oder als Erwachsener, verbindet Klänge mit Emotionen, ebenso mit Farben. Doch nur wenige besitzen die Fähigkeit, die Wahrnehmung ihrer Sinne zu kombinieren. Diese Feinfühligkeit nennt sich Synästhesie. Unter Synästhesie (altgriechisch: syn = zusammen und aisthesis = Empfinden) versteht man die Fähigkeit unsere Sinne miteinander zu verbinden. Es entstehen Wahrnehmungskombinationen welche nicht nur unsere Sinnesreize (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) ansprechen sondern auch unsere Emotionen und unsere kognitiven Leistungen. Synästhesisten verbinden eine Farbe mit einem speziellen Geschmack. Sie sehen vor dem inneren Auge bei dem ertönen eines Klangs Farben und Formen. Buchstaben und Ziffern besitzen eine eigene Anordnung und Worte hinterlassen spürbare Strukturen auf der Zunge. Diese Form der erweiterten Wahrnehmung ist nicht kontrollierbar.
In meiner schriftlichen Ausarbeitung beschäftige ich mich mit dem Okkultismus und der Idee der Avantgarde, das unsichtbare sichtbar zu machen. Anhand von Wassily Kandinskys Buch “Über das Geistige in der Kunst“ versuche ich die Synästhesie verständlich zu machen. Um einem Nichtsynästhesisten die Synästhesie zu veranschaulichen kam ich zu dem Entschluss das dies nur durch ein aktives erleben passieren kann welches mehrere Sinne zu selben Zeit anspricht. Haptisch, akustisch und visuell. So sind fünf Objekte entstanden welche durch Interaktion, groß und klein, ihre Sinne erfahren lassen. Jedes Teil besitzt einen ganz eigenen Inneren Klang welcher immer auf dem selben Prinzip beruht.
Meine Arbeit soll dazu anregen, hier und da inne zu halten und in sich selbst zu hören. Sich zu besinnen, zu versuchen seinen “Inneren Klang“ zu finden, diesen wahrzunehmen und Beachtung zu schenken. Gerade in den letzten Monaten und Wochen waren wir alle gezwungen viel Zeit mit uns selbst zu verbringen. Konnten vielleicht vieles sichtbar machen was wir lange nicht mehr sehen konnten oder lernten dort hinzuschauen wo lange niemand hinschauen wollte. Der geistige Fortschritt, wie ihn Kandinsky beschreibt, kommt also durch die Bewegung nach vorne. Nur wer sich bemüht und Teil vom Ganzen wird, kann „heute“ verstehen was „morgen“ offensichtlich ist. Um meine Arbeit in seiner vollen Wirkung zu verstehen, muss der Betrachter zum Nutzer werden. Die Interaktion mit den Objekten und sich selbst ist unumgänglich. So entpuppt sich die Bewegung nach vorne schlussendlich als das innehalten und die bewusste Wahrnehmung unseres “Inneren Klangs“.

www.victorhahner.com

Foto: Petra Jaschke

 

 

Viktoria Schumann - repetitiv

Viktoria Schumanns praktische Arbeit besteht aus den Ergebnissen vier verschiedener, repetierter Handlungen.
Ihre Stimmung beeinflusste nicht nur die Repetition, sondern auch umgekehrt. Sie wechselte zwischen Phasen von motiviertem Schaffen, Aversion und Gleichgültigkeit gegenüber der zu erledigenden Arbeit; festgehalten in der Varianz zwischen den einzelnen Objekten.
Repetition kann etwas Unscheinbarem eine gewisse Kraft verleihen. Jede dieser Repetitionen half, Struktur im Alltag und gedanklichen, für die nachfolgende, theoretische Arbeit zu schaffen. Sie ergaben in ihrer Gesamtheit selbst ein neues Regelwerk.
Jede Repetition bedingte die darauffolgende und baute zugleich auf der Vorangegangenen auf. Dies verschränkt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und hat zur Folge, dass eine Repetition erst nach Abschluss der Letzten korrekt betrachtet werden kann und einzelne Repetitionen ohne die Anderen nicht vollständig sind, was alle Repetitionen gleichwertig macht.
Diese Arbeit ist nicht nur das Ergebnis von unzähligen Repetitionen der gleichen Tätigkeit, sondern auch unschätzbares Hilfsmittel, Abbild der Verfassung in einem, von Repetitionen geprägten Semester und natürlich Thema dieser Arbeit: repetitiv.

vickyschumann(at)aol(dot)de
instagram.tori_schumann

Foto: Petra Jaschke und Viktoria Schumann