Bachelor Thesis WS 2020/2021

Isabelle Schaaf - Intrakutan

Intrakutan - das lateinische Wort für „in der Haut“ Es beschreibt den medizinischen Vorgang einer Injektion in die Haut hinein.
Die Haut ist flächenmäßig unser größtes Organ und bedient umfangreiche Funktionen rund um unseren Körper.
Wir können aus ihr ein Gesamtkunstwerk formen, das sich voll und ganz auf den Körper einlässt.
Tattoos beinhalten oder basieren oft auf Linienkonstrukten. Diese verlaufen mal mit mal gegen den Körper und dessen definierte Formen.
Sie dehnen sich mit wenn er die Position ändert und sich bewegt. Sichtbar, aber manchmal auch kaum erahnbar schwingen sie mit ihm mit.

Der Übergang zwischen Flächen am Körper und den in die Linien aufbrechenden, frei schwebenden Gebilden verläuft organisch.
Die Linien liegen auf der Haut, direkt am Körper, entfernen sich aber im Bewegungsmuster weg um zu ihm zurück zu finden.
Aus jedem Blickwinkel entsteht ein anderes Linienmuster. Genau wie sich Tätowierungen an viel bewegten Stellen verziehen,
dehnen und gestaucht werden.
Entstanden ist so eine Objektreihe die zwar für sich allein stehen kann, aber im Bezug zum Körper tragbare Momente schafft.

www.isabelleschaaf.de
@isabelle_schaaf
mail(at)isabelleschaaf(dot)de

Foto: Sophia Mohr
Model: Ko-Yun Liao

 

 

Aynur Teyin - BAUCHGEFÜHL

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“ Dieses Zitat bestätigt, wie stark die heutige Welt sich an die Rationalität gewöhnt hat. Intentionalität und Reflexivität sorgen für bewusste Wahrnehmungen aus der Umwelt und ermöglichen zielorientierte rationale Entscheidungen im Alltag zu treffen. Das Bauchgefühl ist ein Phänomen, welches tief im menschlichen Bewusstsein verankert ist. Es ist zu beobachten, dass der Mensch durch all seine Erfahrungen, immer weniger seinem Bauchgefühl Gehör schenkt und seine Entscheidungen durch Erfahrungsmechanismen trifft.

Häufig wird der Begriff Bauchgefühl mit Intuition, gefühltes Wissen und innere Stimme im gleichen Zusammenhang benutzt. Jedoch steht allen voran der Begriff „Bauch“. Der Bauch bildet dabei die Mitte des Körpers. Sie gestaltet sich in das Zentrum unseres Wesens. Im Bauch entsteht neues Leben und Neues, vielleicht auch ein unerprobtes Wissen. Beispielsweise wird in der indischen Kultur das Nabel Chakra auf der körperlichen Ebene der Verdauung und dem Metabolismus zugeordnet. Dieses Zentrum verleiht dem Menschen die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Bei einem blockierten Chakra fällt es dem Menschen schwer Entscheidungen zu treffen. Sie kommen schwer ins Tun und Schaffen es nicht ihre innere Triebseele zu überwinden. Hingegen sind Menschen die ein geöffnetes Nabel Chakra besitzen selbstbewusster, haben einen starken Antrieb, Sie können ihr Selbst reflektieren und sind diszipliniert, haben keine Angst vor Herausforderungen und sind mutiger gegenüber Widerständen und Hindernissen. Sie hören häufiger auf ihr Bauchgefühl und haben ein gesundes Selbstwertgefühl.

In meiner Bachelorarbeit habe ich unterschiedliche Bereiche des Bauchgefühls erforscht und erarbeitet. Für mich ist das Bauchgefühl eine zuversichtliche Entscheidungsform, die sehr spontan auftaucht, mühelos und einfach ist. Nicht immer, aber manchmal ist Einfachheit eine Befreiung der menschlichen Denkprozesse. Komplexität erzeugt Anstrengung, Anspannung und Stress. Vor allem aber hat das Bauchgefühl eine starke Verbindung zum Emotionalen. Auf Basis guter und schlechter Erfahrungen wächst ein Bauchgefühl. Nach meinen Beobachtungen nach ist es ein Spiel zwischen Körper und Seele. Je besser ich mich fühle, desto stärker nehme ich mein Bauchgefühl wahr. Bauchgefühl ist verbunden mit Qualitäten, Interessen, Vorlieben und Begabungen.

Im Entstehungsprozess der Objekte konzentrierte ich mich auf die Textur, die Farbe und die Details. Die Art und Weise wie ich die Objekte kreiert habe, ist ähnlich, wie bei einem Kind das mit Spielzeug spielt. Der Prozess war voller Wunder, Entdeckungen, Kombinationen und zufällige Entdeckungen. Ich ließ Dinge geschehen, war spontan und aufmerksam und folgte stets meinem Bauchgefühl. Nicht zu wissen, einfach zu spielen, frei zu bleiben, absichtslos zu sein und plötzlich aufgeregt zu werden und den Punkt erkennen, an dem man wieder die Kontrolle übernehmen muss, war ein Balanceakt.

Aus intuitiven Handbewegungen wickelte ich Drahtobjekte. Es entstanden spannende Formen, und keins gleicht dem anderen jedes Stück hat seine eigene Besonderheit und bekommt durch die verschiedenen Materialien wie Kaltschaum, Knete, und Slime einen individuellen Charakter. Für mich als Gestalterin war es wichtig bei dieser Reise auf einer experimentellen Art und Weise die Wahrnehmung meines Bauchgefühls zu erforschen und gestalterisch umzusetzen. Besonders im Prozess war es wichtig, Entscheidungen zu treffen die frei von Zwängen waren. Was wirklich nicht so einfach war. Ein gutes Fühlen im Körper und in der Seele, war für mich essentiell.

Foto: Petra Jaschke

 

 

Helen Spiegelhalter - The Bright Young Things

Über meine Recherche zu den „Bright Young Things“, der außergewöhnlichen Gruppe von jungen aristokratischen Bohemians des London der 20er Jahre und deren aufsehenerregenden Fancy Dress Partys, bei denen sie gerne ausgefallene Charaktere darstellten und durch die äußere Veränderung in Form von Kostümen die Geschlechter tauschten, bin ich zu der eigentlichen Thematik meiner Thesis gekommen. Die Frage nach der Suche, der Entwicklung und der Erschaffung der eigenen Identität und in welchem Zusammenhang diese Prozesse mit der Geschlechtsidentität stehen. Wie definieren wir unsere Identität? Wie bringen wir sie zum Ausdruck?
Dabei war es für mich wichtig zu klären unter welchen Aspekten man das Geschlecht versteht und ob und wie dieses veränderlich ist. Wie definieren wir Geschlecht und welche Instanzen nehmen Einfluss auf diese Definition? Schränken wir uns selbst durch gewisse Kategorisierungen und die damit verbundenen Erwartungen ein und wenn ja, wie können wir diese aufbrechen? Eine besondere Rolle spielten für mich die Arbeiten von Cecil Beaton, der selbst ein Teil der „Bright Young Things“ war. Er dokumentierte durch seine Fotografien die extravaganten Partygäste und setzte die Mitglieder der „Bright Young Things“ in Theater ähnlichen Kulissen und Kostümen in Szene. „Reality and Masquerade - Creating an Identity“ untersucht die Kreation von einer oder gar mehrerer Identitäten durch die inszenierte Selbstdarstellung und die Wirkung von Kleidung. Wie Kleidung als Maskerade, und dabei meine ich Kleidung als übergeordneten Begriff der Schmuck und Accessoire einbezieht, eine Möglichkeit zur Entfaltung bietet. Ein künstlerischer Freiraum, in dem durch die Veränderung des Äußeren spielerisch das eigene Innere erkundet werden kann, eine Art Rebellion gegen die geschichtlich und kulturell bestimmten Konventionen.

@helen.spiegelhalter

Foto: @christianmetzler.com
Model: @maisonadrenalina (Lina Ruoff)
Hair & Make Up: @suzana_santalab (Suzana Santalab) @diellza.jahiri (Diellza Jahiri)

 

 

Celine O‘Neal - URFORM

Es ist ein Wagnis sich mit ungelösten Fragen zu beschäftigen. Es kann nur Entwicklung entstehen, wenn man den Mut besitzt, sich mit den schwierigen Fragen, die das Leben für uns bereithält, auseinanderzusetzen. Sich traut, eigene, ungeklärte Antworten für sich zu finden, die so noch nicht vorhanden sind und im Verborgenen ihrer Selbst weilen. Darauf wartend von uns entdeckt zu werden.

Das Trauen, sich nicht von der unendlichen Größe und Reichweite dieser Fragen einschüchtern zu lassen, sondern die Chance zu erkennen, mit ihr groß zu werden und an ihr zu wachsen. Der Versuch eigenständig und bewusst über die Dinge der Welt nachzudenken, ohne aufzugeben und vor der unendlichen Weite der inneren Fragen zurückzuschrecken, sondern so lange zu suchen, bis sich das Tal zum eigenen Inneren auftut, wenn man bereit ist, sich selbst in sein Seelenreich Einlass zu gewähren.

Die Entscheidung und der erforderliche Mut, nach der eigenen Wahrheit zu suchen, ist der erste Schritt zu seinen innewohnenden Antworten, die dich zu deinem wirklichen Selbst führen können. Dieser Weg ist weder leicht zu gehen noch einfach zu finden. Doch erst dem Suchenden obliegt es, diese Reise überhaupt antreten zu können. Erst der Suchende findet. Und was er findet, ist eine Reise in die unendliche Tiefe seiner Seele, welche sich aus dem Seelenreich speist, das wir das Leben nennen.

Die Frage nach der Seele und der inneren Form, sowie des Urgrunds allen Seins, stehen in einer philosophisch/anthropologischen Analyse dessen, dass unendliche Reich des Seelenlebens zu erforschen. Sich des auferlegten Schleiers des Alltags zu entledigen, zurück zu unserem Selbst, der Einheit und der Schönheit des Lebens – Unseren eigentlichen Urformen. Getrieben von dem Verlangen meine Antworten zu finden, begab ich mich in Form eines langen Spaziergangs durch die Natur, auf eine Reise in mein Selbst, geleitet und inspiriert durch die versteckten Botschaften, die Natur mich lehrte.

 

celineoneal95(at)gmail(dot)com

@celine_oneal

Foto: Petra Jaschke

 

 

Julia Schmölzer - Wasserwelten

Aus dem feuchten und salzigen Nass.
Durchspült vom Strom der Gischt.
Im Rhythmus des Atems umflossen.

Sanft und bestimmt.
Bewegt und berührt von Innen und Außen.

Das Leben im Wasser.
Den Wasserwelten.

info(at)juliaschmoelzer(dot)com
www.juliaschmoelzer.com

Foto: Petra Jaschke