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DESIGN PF - Fakultät für Gestaltung

Erste Generation Absolventen

„Sie können komplexe Technik einfach bedienbar machen, Sie sind begehrte Fachleute!“ Mit dieser Einschätzung verabschiedete die Fakultät für Gestaltung im Frühjahr 2015 ihre ersten Absolventen des Studiengangs Intermediales Design. Die Abschlussarbeiten der vier Designer, die im Wintersemester 2011 ihr Studium in Pforzheim begonnen hatten, gelten als zukunftsweisend und verbinden Design mit ökonomischer Entwicklung.

„Zweidimensionaler Dialog oder Marketing waren gestern“. Auf diese Formel brachte Studiengangleiter Professor Wolfgang Henseler die Herausforderung der künftigen Designer im neuen Studiengang. Die Verknüpfung von komplexer Technik mit intuitiv bedienbarem Design wird für den wirtschaftlichen Erfolg in fast allen Sparten zunehmend wichtiger. „Unsere Gestalter denken in der digitalen Transformation!“ Was genau mit dieser Aussage gemeint ist, zeigen beispielhaft die Arbeiten von Stefanie Braun, Annelie Schanz, Paul Fröhling und Lisa Preßmar.

Stefanie Braun verknüpft mit „Smart Assistance“ die obligatorischen Unterhaltungsmöglichkeiten in einem Krankenhaus – Radio, Fernsehen oder Telefon – mit einem Informationssystem. Die 25-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, dass der Informationsfluss in Kliniken verbesserungswürdig ist. Fehlende Hinweise, wann Untersuchungen anstehen, was diese klären sollen, wann eine Krankengymnastik angesetzt ist oder was die Cafeteria im Angebot hat, integrierte Stefanie Braun daher in ein Entertainmentsystem. Ein Touchscreen am Bett des Patienten informiert über den Tagesablauf in der Klinik, Medikamentierungen und bisherige Untersuchungsergebnisse. Daneben bildet das System natürlich auch Fernseh- und Radioprogramme ab. „Dass sich Patienten über ihren Klinikaufenthalt informieren können, ist völlig neu“, so die Designerin. „Meine Anwendung ist einfach zu bedienen und zeigt nur situativ relevante Inhalte mit vielen Bildern und Videos.“

Mit dem Handy bestimmte Musiktitel und deren Interpreten suchen – das ist bekannt. Annelie Schanz wendet dieses System auf bedrohte Brutvögel in Deutschland an. „Das Live-Tracking können Vogelliebhaber zum Aufspüren von Nistplätzen oder bestimmten Vogelarten nutzen, und mit Stimmaufnahmen können sie Vogelarten sogar bestimmen“, erklärt die 24-Jährige. Allerdings verwischt Annelie Schanz auch bei ihrem Projekt die üblichen Genre-Grenzen. In einem Buch zeigt und beschreibt die Designerin die Vögel sowie deren Lebensraum und Gefährdungen. Über die Bilderkennung können zusätzliche Informationen und Videos abgerufen werden.

Die Verknüpfung der verschiedenen Medien, um einen Sachverhalt auf unterschiedliche Weise darzustellen und so seine Komplexität begreifbar zu machen, gelingt den Absolventen auf hervorragende Weise. In ganz unterschiedlichen Bereichen zeigen sie, was mit dem Beherrschen der Techniken alles möglich ist. Paul Fröhlich wandte sich der russischen Literatur zu und entwickelt für den Roman „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow eine multimediale Installation. Dafür zeichnet der Designer jede Szenen des Buches und setzte sie für das iPad zu einer Bildabfolge zusammen. Der Nutzer scrollt so einen Film ab statt einzelne Bilder aufzurufen. Die Abfolge auf dem Tablet korrespondiert mit einer Raum-Installation: Projektionen mit Licht und Ton passen sich dem Punkt der Geschichte an und geben Hintergrundinformationen. „Das Format der Illustrationen ist sehr speziell, es gibt keine einzelnen Bilder, sondern nur ein einziges, extrem großformatiges Bild. Bisher haben nur wenige Illustratoren ihre Ideen so umgesetzt“, sagt Paul Fröhling. Ebenso neu ist der Ansatz, sämtliche medialen Einflüsse auf die aktuell betrachtete Szene abzustimmen. Diese Art von interaktiver Erzählung – Graphic Novel – ist bisher noch nie so umfangreich umgesetzt worden. Grundlage für diese hervorragende Arbeit ist die Beherrschung und Durchdringung der Technik sowie das Talent, diese gestalterisch anzuwenden. Der Heddesheimer nutzt bei seinem Projekt eine große Bandbreite an Technologien wie iOS App, Java App, NodeJS Server und eine Anwendung für den Arduino.

„Unsere Absolventen sind Gestalter, Techniker und Entwickler. Sie denken in Dimensionen der digitalen Transformation. Vor allem die Aspekte des intuitiven Bedienens – hier sind wir weltweit die einzigen, die diesen Bereich lehren – treffen die heutigen und zukünftigen wirtschaftlichen und personellen Anforderungen“, freut sich Studiengangleiter Henseler.

Emotionen in Verbindung mit Technik war der Ausgangsprunkt der Arbeit von Lisa Preßmar. Ihre neu entwickelte Applikation „Herzensdinge“ ermöglicht Spenden per App. Eine Idee, die bereits vermehrt auf den Markt drängt. Für Lisa Preßmar ist aber der einfache Klick zu wenig. Sie verknüpft den Wettbewerb mit Motivation und Vorbildcharakter. Der Nutzer kann sich entscheiden, ob er direkt Geld überweist, den Einkaufswert erhöht und den zusätzlichen Betrag spontan spendet oder sich persönlich für eine Sache einsetzt. Seine Entscheidung teilt er über die sozialen Netzwerke mit und motiviert andere zum Mitmachen.

„Die Studierenden wissen, dass in der erfolgreichen Gestaltung einer unkomplizierten Bedienbarkeit der entscheidende Erfolgsfaktor für die sogenannte Industrie 4.0 liegt. Das bedeutet eine vollkommen neue Art des Denkens – ein intermediales. Dieses verknüpfte Denken wird in der Wirtschaft händeringend gesucht und immer häufiger nachfragt“, weiß Professor Wolfgang Henseler.

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