Veranstaltung |  04 Mai 2016 | 18:30 Uhr | Aula der Fakultät f. Gestaltung, Holzgartenstr. 36, Pforzheim

Jonathan Meese im Gespräch mit Robert Eikmeyer

Seit 2006 propagiert Jonathan Meese die Diktatur der Kunst, deren Parameter er seither weitgehend ausformuliert hat, und wendet sich jetzt einzelnen Themenfeldern zu. Auf die Ausstellung „DR. NO SPORTARZAHN (EVOLUTIONSSCHRITT DE FIT)“ zum Verhältnis von „Kunst und Sport“ 2015 in Wien folgte Anfang Dezember die Veranstaltung „Kunst und Recht“ im Presseraum des Bundesverfassungsgerichts Karlsruhe. An der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim spricht der Künstler am 4. Mai 2016 um 18.30 Uhr mit Robert Eikmeyer über sein Verständnis von „Kunst und Design“.

Kunst ist nicht Design, behauptet Meese, Kunst = Kunst, und bestätigt damit die Auffassung des Kunsttheoretikers Boris Groys, für den es „Kunst erst seit der Französischen Revolution gibt – als totes Design“. Die Kunst ist für beide allerdings die Revolution der Zukunft, denn während das Design die Welt im Idealfall zu einer besseren macht, ist die Kunst utopisch, indem sie einen Sprung aus Raum und Zeit wagt, um einen Blick auf die Welt nach dem Scheitern aller menschlichen Hoffnungen und Erwartungen zu gewähren. Erst dann ist für Meese radikale Veränderung überhaupt möglich. Diktatorisch bleibt für ihn die Kunst die einzige Alternative zu den von Menschen geschaffenen politischen Systemen. Wer als Künstler mit seinen Arbeiten nicht dieser Partei K.U.N.S.T dient, stellt sich gegen die Kunst und wird für Meese zum „Systemillustrator“ bzw. Designer.

Der Kunst- und Designtheoretiker Robert Eikmeyer, der 2012 die „Ausgewählten Schriften zur Diktatur der Kunst“ herausgegeben hat und schon länger mit dem Künstler zusammen arbeitet, spricht mit Jonathan Meese u.a. über falsch verstandenen Kunstaktivismus, das Verhältnis von „Kunst und Design“ und Möglichkeiten, diese „unüberwindbare“ Grenze vielleicht doch zu transzendieren.

Jonathan Meese (*1970 in Tokio) gilt als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler. Mit  der raumfüllenden Installationen „Ahoi de Angst“ gelang ihm 1998 auf der 1. Berlin Biennale der Durchbruch. Es folgten weltweit eine Vielzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen begleitet von extensiven Performances u.a. im P.S.1 New York, der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dem Centre Pompidou Paris, der Tate Modern in London und De Appel in Amsterdam. 2006 ehrten ihn die Deichtorhallen Hamburg mit der großen Übersichtsschau „Mama Johnny“. Seitdem wurden verstärkt einzelne Werkgruppen gezeigt, zuletzt 2014 ein Überblick über die Malerei im Museum der Moderne in Salzburg. Ab 2004 entwirft Meese auch Bühnenbilder für Theaterstücke und Opern und führte 2007 mit „De Frau“ zum ersten Mal selbst Regie. Meese lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg.

 

Vorher, währenddessen und danach: Die Bar von “Roland auf Reisen” im Foyer!

 

Foto: JanBauer.net / Courtesy JonathanMeese.com