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DESIGN PF - Fakultät für Gestaltung

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Anja Demuth und Julia Maderitsch erhalten Wilhelm Lorch-Preis

Julia Maderitsch: touhi, Foto: Christian Metzler

Gentechnik und japanisches Mode-Phänomen: Beim wichtigsten Preis der deutschen Textilindustrie erhielten zwei Mode-Absolventen eine Auszeichnung. Zusammen mit Professor Johann Stockhammer nahmen am vergangenen Mittwochabend, 10. Mai 2017, die beiden Absolventen Anja Demuth und Julia Maderitsch einen Förderpreis der Wilhelm-Lorch-Stiftung entgegen. Die Auszeichnungen wurden im Rahmen des 59. Forums der TextilWirtschaft in der Print Media Academy in Heidelberg vergeben. In den vergangenen sieben Jahren gehörten die Pforzheimer Absolventen immer zu den Preisträgern.

Anja Demuth nimmt mit ihrer Abschluss-Kollektion „Chimera“ Stellung zur Genforschung. Chimären sind von Menschenhand geschaffene Mischwesen, die der Forschung nutzen. „Menschliche Ohren werden auf Mäuserücken gezüchtet, Schweineherzen schlagen in menschlichen Körpern – ist das wirklich gut?“, fragte sich die 29-Jährige. Die Jury der Wilhelm-Lorch- Stiftung lobte die futuristische, technisch hoch anspruchsvolle und überaus kreative Materialstudie der Pforzheimer Absolventin. In ihrer Damenkollektion verweisen enge Stehkragen oder Schnallen am Hals auf den Druck, der von Pharmariesen ausgeht. Mit leuchtenden Nähten und Schnürungen baut sie Parallelen auf zur Fluoreszenz-Mikroskopie, die in der Gentechnik verwendet wird.

Julia Maderitsch widmet sich einem Mode-Phänomen Japans: Erwachsene japanische Frauen kleiden sich wie kleine Mädchen. Das japanische Wort „kawaii“ bedeutet ursprünglich „süß“ und „niedlich“, steht mittlerweile aber für ein ästhetisches Konzept, das Unschuld und Kindlichkeit betont. Julia Maderitsch sieht den großen gesellschaftlichen Druck als Auslöser für dieses Phänomen – eine Flucht aus der Realität. Mit ihrer Kollektion „Touhi“, Japanisch für Flucht, ist der 26-Jährigen gelungen, in ihren Entwürfen verschiedene Strömungen der japanischen Gesellschaft zusammenzuführen und so etwas Neues zu kreieren. Sie verbindet die Optik Japans mit moderner westlicher Business-Kleidung und niedlichen Elemente der „kawaii“-Ästhetik.

Mit den Auszeichnungen der Lorch-Stiftung wird das Studienkonzept der Hochschule Pforzheim erneut bestätigt. Seit Jahren zählen Absolventen des Studiengangs Mode zu den Preisträgern. Beide Arbeiten wurden von Studiengangleiter Prof. Johann Stockhammer betreut. Er lobt die enorme Dichte der Kollektionen, die in Formsprache, bei Material und Details höchste Ansprüche erfüllen und durch die visuelle Darstellung bei Illustration, Fotos und Video ganz besonders überzeugten.

Die Wilhelm-Lorch-Stiftung zeichnete in diesem Jahr zum 28. Mal den Branchen-Nachwuchs aus. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe sowie die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Aus allen Bereichen der gesamten Textilwirtschaft werden nach Maßgabe des Stiftungszwecks begabte Nachwuchskräfte in der Aus- und Fortbildung gefördert.