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Erste Absolventin "Design & Future Making": Amina El-Shazly

Pyramiden und Kunsthandwerk sind die ersten Assoziationen, die bei uns Europäern entstehen, wenn wir an Ägypten denken. Tatsächlich ist das Kunsthandwerk nach der Landwirtschaft die zweitgrößte Einkunftsquelle der Menschen dieses nordafrikanischen Landes. Amina El-Shazly ist die erste Absolventin des neuen Studiengangs „Design & Future Making“ an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und hat in ihrer Abschlussarbeit ein System erarbeitet, das das Kunsthandwerk ihres Heimatlandes nachhaltig stärken soll.

„Handwerk ist unsere Kultur“, sagt die 27-jährige Ägypterin. „Wenn der Markt zurückgeht, verlieren wir unsere Identität.“ Amina El-Shazly absolvierte an der Deutschen Universität in Kairo ihr erstes Studium und ist Produkt-Designerin. Während ihres Studiums wurde ihr bewusst, dass sich der ägyptische Markt stark wandelt: Es gibt in Kairo und ganz Ägypten eine neue Generation, die sich im traditionellen Handwerk moderne Formen wünscht. Unter den Töpfern und Herstellern der traditionellen Tongefäße wird das Wissen um die Produktion in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. „Eine neue Ästhetik hat es somit schwer, sich zu behaupten – andererseits spüren die Handwerker, dass sie sich erneuern müssen“, erzählt Amina El-Shazly. Eine Zwickmühle, für die die Designerin Abhilfe schaffen will.

90 % der Kunsthandwerker in Ägypten arbeiten informell, das heißt, sie sind nicht als Unternehmer registriert und nicht versichert. „Diesen Leuten fällt es noch schwerer, neue Wege zu gehen, denn sie haben alle Hände voll zu tun, ihre Familie zu ernähren.“ Es gibt nur wenige Initiativen, die das Kunsthandwerk des Landes stärken. Eine davon ist ENID, das Egypt Network for Integrated Development, mit dessen Leiterin Dr. Heba Handoussa Amina El-Shazly zusammenarbeitete. Amina El-Shazly entwickelte in ihrer Master-Arbeit an der Fakultät für Gestaltung ein Format, das Kunsthandwerker zukunftsfähig macht. Denn in den Eigenarten des ägyptischen Handwerks sieht sie auch das Potenzial: Das Informelle und Unperfekte ist es, das die Produkte am Ende ausmachen und ihnen Individualität verleihen. Das technische Know-how ist sehr gut, aber Form und Design sind bislang kein großes Thema: Tongefäße aus Ägypten haben eine traditionelle Form, die immer und immer wiederholt wird. Auf Basis dieser traditionell genutzten Formen entwickelte die Designerin eine Schablone, die die Töpfer an ihrer Scheibe zu neuen Formen inspiriert. Auch führte sie Materialstudien durch und schuf aus Sägemehl und Kaseinleim ein Material, aus dem man ebenfalls Gefäße herstellen kann. Kooperationen anzuregen ist ein weiterer Punkt ihres Masterplans. „Wenn unterschiedliche Disziplinen wie Töpfer und Schreiner zusammenarbeiten, können neue Produkte und neue Designs entstehen und den Markt beleben.“

Der neue Pforzheimer Studiengang „Design & Future Making“ ist ein Glücksfall für die Studentin. Denn ihr Master-Projekt ist passgenau mit dem Ausbildungskonzept des Studiengangs. Professorin Christine Lüdeke bestätigt dies: „Wir stellen uns gestaltungsrelevante und gesellschaftskritische Fragen und erforschen diese nicht nur theoretisch fundiert, sondern auch im ‚Machen’. Die erste Master-Arbeit ist ein Paradebeispiel für den Geist unseres Lehransatzes: Amina El-Shazly gelingt ein Konzept, dessen Ergebnisse nah am Menschen sind – emotional und haptisch.“ Nun wird die junge Ägypterin ihr neues Format in Anwendung bringen. Mit ihren Erfahrungen aus Deutschland fühlt sie sich gut vorbereitet für die Herausforderung, das Kunsthandwerk in Ägypten auf einen neuen Weg zu bringen.

Diese und weitere Arbeiten werden zur Werkschau der Fakultät für Gestaltung vom 8. bis 10. Februar 2019 präsentiert. Der Master-Studiengang „Design & Future Making“ stellt erstmals im Alfons-Kern-Turm aus. Öffnungszeiten: Fr und Sa, 11 – 20 Uhr, So, 11 – 16 Uhr.

Fotos: Amina El-Shazly

Pressekontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de Tel: +49 (7231) 28-6718