Florian Anderer ist neuer Stipendiat von Pforzheim Revisited Berlin
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Von links nach rechts: Andrea Grimm, Hellena Hueck, Florian Anderer, Birgitta Hafner, Christine Lüdeke und Andreas Gut (Foto: Petra Jaschke)
Am 5. Mai erhielt Florian Anderer das diesjährige Stipendium von Pforzheim Revisited Berlin. In der Aula der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim kamen die Stipendiengeber, Hochschulvertreter*innen und ehemalige Stipendiat*innen zusammen, um den bereits 25. Stipendiaten zu würdigen.
Das Stipendium wird gemeinsam von der Hochschule Pforzheim, der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und der Firma C. HAFNER vergeben. Es ist Teil des Projekts „Manufakturelle Schmuckgestaltung“ der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, das traditionelle Schmucktechniken bewahren und zugleich zeitgenössisch weiterentwickeln möchte.
Gestalterische Möglichkeiten nutzen – der Stipendiat 2026
Florian Anderer kam für seine Ausbildung an der Goldschmiedeschule nach Pforzheim und begann anschließend sein Bachelorstudium im Studiengang Schmuck an der Hochschule Pforzheim. Damit durchlief der gebürtige Ettlinger zwei Institutionen, die die Schmucktradition der Goldstadt bis heute prägen. Sein Studium wird er nach dem Stipendium abschließen.
In seiner Dankesrede erinnert sich Florian Anderer an seinen ersten Besuch des Deutschen Technikmuseums in Berlin im Rahmen einer Exkursion des Studiengangs Schmuck: „Es hat mich wahnsinnig begeistert, auf welche verschiedenen Arten man Schmuck herstellen kann. Viele dieser Maschinen hatte ich vorher noch nie gesehen.“
Während des Stipendiums wird er diese Techniken intensiver kennenlernen und praktisch erproben können. „Diese Möglichkeit ist großartig. Ich bin noch nicht sicher, welche Formen meine Arbeit annehmen wird, aber da ist vieles, das ich ausprobieren möchte – von traditionell bis innovativ, vom 3D-Scan bis zum Edelmetallguss.“
Jury lobt kraftvolles Design
Über die Vergabe des Stipendiums entschied eine fachkundige Jury bestehend aus Cornelie Holzach (ehem. Leiterin Schmuckmuseum Pforzheim), Andrea Grimm (Deutsches Technikmuseum Berlin), Johanna Galefske (ehemalige Stipendiatin), Philipp Eberle (Schmuckdesigner, Paris und Alumni), und Naomi Filmer (Course Leader MA Fashion Artefact, London College of Fashion).
Während der Preisverleihung erläuterte Andrea Grimm die Entscheidung der Jury: „Florian Anderers Schmuck ist zeitgenössisch, hat Kraft und Humor. Für das Stipendium hat er sich mit sehr unterschiedlichen Ideen beworben. Wir wissen noch nicht genau, in welche Richtung sich seine Arbeit entwickeln wird, aber wir sehen großes Potenzial!“
Ein Stipendium für Innovation im Handwerk
Das Pforzheim Revisited Berlin-Stipendium richtet sich an Alumni und Studierende der Schmuckstudiengänge der Hochschule Pforzheim sowie an ehemalige Designers in Residence des EMMA Kreativzentrums. Ziel des Stipendiums ist es, das gestalterische Potenzial traditioneller Schmuckverfahren wie Guillochieren, Emaillieren oder Hohlprägen mit zeitgenössischen Prozessen zu verbinden und weiterzugeben. Auch digitale Verfahren wie der 3D-Druck in Edelmetall werden dabei integriert. 2015 nahm die Deutsche UNESCO-Kommission es als Beispiel Guter Praxis auf die bundesweite Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland auf.
Als Stipendiat wird Florian Anderer vier Monate lang in der Abteilung Schmuckproduktion des Deutschen Technikmuseums Berlin arbeiten mit Zugang zu den historischen Maschinen und Techniken vor Ort sowie fachlicher Begleitung durch das Museumsteam. Das Stipendium beinhaltet außerdem einen vorbereitenden CAD- und 3D-Druck-Workshop in Pforzheim, begleitet von Expert*innen der Hochschule Pforzheim und C. HAFNER. Finanziell umfasst die Förderung eine monatliche Unterstützung von 750 Euro, einen Edelmetall-Gutschein über 500 Euro von C. HAFNER sowie einen Unterkunftszuschuss durch das Technikmuseum.
Techniken bewahren und Nachwuchs fördern
Bei der feierlichen Veranstaltung stellte Birgitta Hafner (C. HAFNER) die Idee hinter dem Stipendium vor: „Mit Pforzheim Revisited Berlin möchten wir Techniken bewahren, das Wissen über sie weitergeben und so ermöglichen, dass neue Prozesse und Formen entstehen. Wir wollen Designer*innen Raum geben, sich weiterzuentwickeln.“
Im Anschluss berichtete Hellena Hueck, Stipendiatin des Jahres 2025, von ihrer Zeit im Technikmuseum und den Arbeiten, die dort entstanden sind. Einige ihrer Schmuckstücke waren während der Veranstaltung ausgestellt. Unter dem Projekttitel „Holding Within“ beschäftigte sie sich unter anderem mit Schmuckschatullen und unkonventionellen Methoden, Dinge aufzubewahren. Dabei arbeitete sie etwa mit Gravurtechniken auf Guilloché am Pantografen und experimentierte zugleich mit modernen Verfahren wie 3D-Scan und CNC-Fräsen.



