Veranstaltung |  24 Nov 2020 | 19:00 Uhr | online

Protest braucht konkrete Orte

Online-Vortrag von Prof. Dr. Philipp Gassert an der Fakultät für Gestaltung

Fridays for Future, Black Lives Matter, Querdenker: Straßenprotest hat auch in der digitalen Gegenwart seine urtümliche Kraft, Probleme markant zu benennen, sagt Professor Dr. Philipp Gassert. In seinem Vortag am 24. November um 19 Uhr spricht der Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim über Geschichte und Gegenwart der Straßendemonstration. Protest macht der etablierten Politik Dampf und übt Druck auf gesellschaftliche Akteure aus. Er benennt Defizite und schafft gesellschaftliches Problembewusstsein – aber zugleich ist er, wie wir aus Erfahrung wissen, in seiner Lösungskompetenz begrenzt.

Warum also gehen Menschen weiterhin im Protest auf die Straße, wo sie doch Facebook, Instagram, TikTok und Twitter hätten? Dass Straßenprotest nicht verschwindet, hat historische Gründe: Er hat sich als Form der antagonistischen politischen Kommunikation bewährt. Er setzt im Ringen um Themen und Aufmerksamkeit mediale Anreize. Durch physische Präsenz von Menschen im Raum schafft Protest berichtenswerte, visualisierbare Ereignisse. Gleichzeitig ist Protest ein großer „Sinnstifter“, dient als Mittel der Verständigung einer Gruppe oder Gesellschaft über sich selbst. An diesen Grundprinzipen ändert sich trotz der rasenden Digitalisierung vieler Lebensbereiche nichts, im Gegenteil: Auch künftig dürften sich Proteste nicht vollständig von „offline“ auf „online“ verschieben, selbst wenn sich der spezifische mediale Mix und Anteil stets wandelt.

Prof. Dr. Philipp Gassert ist Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Er forscht im Bereich der deutschen und europäischen Zeitgeschichte sowie der transatlantischen Geschichte und der US-Außenpolitik des 20. und 21. Jahrhunderts. Eines seiner wichtigsten aktuellen Themengebiete ist die Geschichte des politischen Protests seit 1945. Im Jahr 2019 ist sein Band „Bewegte Gesellschaft. Deutsche Protestgeschichte seit 1945“ als Sonderausgabe der Zentralen für politische Bildung erschienen.

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Foto: Teemu Paananen

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