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Siebdruck mit dem Niederländer Harmen Liemburg

Siebdruck-Fabrik für vier Tage: Der niederländische Künstler und Grafiker Harmen Liemburg hat an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim in die Kunst des Siebdruckes eingeführt. Mit zwanzig Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen erarbeitete er Plakate mit der universellsten aller Drucktechniken.

„Es ist die einfachste Art zu drucken: Man drückt mit einem Rakel Farbe durch ein Sieb auf Papier, mehr ist es nicht“, sagt Harmen Liemburg. Und doch ist es so viel mehr: Die Arbeiten des Niederländers, die weltweit in Sammlungen vertreten sind, zeigen faszinierende und bis ins kleineste Detail komponierte, bildgewaltige All-over-Strukturen. Nach Pforzheim geholt hatte ihn die Professorin Alice Chi mit Mitteln des Programms Erasmus+. „Für unsere Studierenden ist es wichtig, die klassischen Druckprozesse zu verstehen. Wir haben eine kleine Siebdruck-Werkstatt in der Hochschule und auch eine Bleisatz-Werkstatt – mit diesen Techniken lässt sich in Serie gehen, ganz ohne Druck-Dienstleister.“

Harmen Liemburg nutzt die digitale Bildbearbeitung, setzt für den Druck aber auf die traditionelle Technik. Zum Grafikdesign kam er über einen Nebenjob. Im Utrechter Club „Tivoli“ war er Ende der 1980er Jahre Montag abends in der Stadt unterwegs, um die Konzertplakate zu kleben. „Sie waren von Grafik-Design-Studenten gestaltet und mit Siebdruck erstellt.“ Dieses Handwerk erlernte er dann selbst in seinem Studium an der Gerrit-Rietveld-Akademie. Im Vortrag für die Pforzheimer Studierenden über seine Arbeit zeigte er einen riesigen Berg von Legosteinen: „Er steht für meine Methode: Ich habe immer viele kleine Einzelteile im Kopf, aus denen dann ein Gesamtentwurf entsteht.“ Seine Arbeiten tragen starke Farben und immer wiederkehrende Motive und Texte. Liemburg arbeitet akribisch. Er sucht Motive des Alltags, verfremdet sie und lässt sie in einem anderen Zusammenhang neue Geschichten erzählen. 

Für den Workshop in Pforzheim bat er die Studierenden, Material zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft zu sammeln. Die Motive für den Druck wurden digital erstellt. Der Druckvorgang selbst gestaltete sich dann wie am Fließband: Mehrere Motive von mehreren Studierenden wurden miteinander kombiniert, Elemente wurde überlagert. Durch den handwerklichen Prozess des Druckens verstehen die Studierenden die digitalen Techniken besser: Am Ende sind die einzelnen Schritte gleich, nur durch ein digitales Werkzeug ersetzt.

„Ich habe schon einige Siebdruck-Workshops gemacht, aber in diesem habe ich am meisten gelernt. Harmen Liemburg arbeitet sehr präzise und fordert Konzentration und Genauigkeit, damit wir ein perfektes Ergebnis in Händen halten“, sagt Studentin Nora Myriel Gruica. „Er sagte uns, ‚arbeitet industriell‘ – es ging ihm vor allem um das Machen, das kreative Denken haben wir direkt im Prozess entdeckt.“ Jetzt ist die Siebdruck-Fabrik wieder abgebaut, Harmen Liemburg zurück in Wageningen – aber die Unikate zu den vier Elementen bleiben.

Fotos: Harald Koch, Hannah Roscher