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Žižek – Eikmeyer, ein Gespräch zu Hegels Geburtstag

Happy Birthday Hegel! Am 27. August 2020 feierte Georg Wilhelm Friedrich Hegel, einer der größten Söhne Stuttgarts und einer der wichtigsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, seinen 250. Geburtstag. Grund genug für die Landeshauptstadt, das Museum Hegel-Haus wiederzueröffnen. Am Eröffnungstag sprachen der Philosoph Slavoj Žižek und Dr. Robert Eikmeyer von der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Pforzheim über Hegels Bedeutung und Aktualität. Der aus Slowenien stammende Žižek ist einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart. Eikmeyer hat bereits 1997 mit „Der Geist ist ein Knochen – Zur Aktualität von Hegels Ästhetik“ ein Ausstellungsprojekt im Hegel-Haus umgesetzt.

 

„Ist es heute noch möglich, Hegelianer zu sein?“, fragt sich Slavoj Žižek in seiner schwerwiegenden Abhandlung „Weniger als nichts“ (2012). Žižek ist wie Hegel ein philosophischer Extremist und nagt wie ehemals der Denker aus Stuttgart am Knochen des Geistes. Für den slowenischen Starphilosophen kann man allerdings nicht einfach zu Hegel zurückkehren, die einzig adäquate Art der Reaktivierung ist für ihn die Wiederholung: Hegel auf der Liege der Psychoanalyse, ausgesaugt vom Wiedergänger Lacan, der wiederum von Žižek zur Ader gelassen wird. Es mag paradox klingen, aber erst durch diese intellektuelle Transfusion wird Hegel wieder zu Hegel. Solche und ähnliche Paradoxien ergründet Robert Eikmeyer mit Slavoj Žižek, ein geistreicher Parforceritt durch Hegels Gedankengebäude, bei dem dialektische Treppenwitze über den Philosophen sicherlich nicht zu kurz kommen werden.

Slavoj Žižek wurde in den 1990er Jahren mit seiner an den Theorien des Psychoanalytikers Jacques Lacan geschulten Hegel-Deutung berühmt. Das Thema „Psychoanalyse und die Philosophie des Deutschen Idealismus“ ist das Leitmotiv von Žižeks Denken und wird auch in seinem Hauptwerk „Weniger als Nichts. Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus“ entwickelt. In seiner jüngsten Publikation „Hegel. Im verdrahteten Gehirn“ weitet Žižek seinen Ansatz auf die Kopplungen des Subjekts mit der Künstlichen Intelligenz aus. Slavoj Žižek ist International Director am Birkbeck College der University of London und lehrt und forscht u.a. an der Universität von Ljubljana und der European Graduate School in Saas-Fee.

Robert Eikmeyer lehrt Kunst- und Designtheorie an der Fakultät für Gestaltung. Im Jahr 1997 kuratierte er für das Hegel-Haus die Ausstellung „Der Geist ist ein Knochen. Zur Aktualität von Hegels Ästhetik“. Seit 2003 führt er regelmäßig Gespräche mit zeitgenössischen Künstlern und Theoretikern. In der Reihe „remarx“ traf er 2006 zum ersten Mal auf Slavoj Žižek, um mit ihm in dessen Wohnung in Ljubljana ein großes Interview zu Karl Marx zu führen, das 2007 in dem Gesprächsband „Jonathan Meese. Slavoj Žižek. Ernteschach dem Dämon“ erschien. Eikmeyer ist u.a. Herausgeber der „Ausgewählten Schriften zur Diktatur der Kunst“, zuletzt erschien „Jonathan Meese 1970-2023“.

Pressekontakt: birgit.meyer(at)hs-pforzheim(dot)de, Tel: +49 (7231) 28-6718