Design PF

Discours de la Méthode

Diskursreihe des MADFM. Der Name verweist auf Descartes und sein im Jahr 1637 erschienenes Werk*, in dem er nach Methoden sucht, Wissen systematisch zusammen-zufassen. Wir laden spannende Forscher*innen und Fragestellende zum Gespräch ein, zu Themen die uns interessieren. Oft werden die Themen mit den aktuellen Ausstellungen im A.K.T; verknüpft.

 

*Descartes, R. (1637 / 2011). Discours de la Méthode. Herausgegeben von Christian Wohlers. Philosphische Bibliothek. Hamburg: Verlag Felix Meiner.

 

Romy Kaiser ist Biodesignerin und Forscherin mit Schwerpunkt auf Biomaterialien und Verarbeitungsmethoden mit textilem Den- ken. Ziel ihrer Arbeiten ist es, aktuelle Systeme in Richtung nachhaltigerer Lebenswelten zu verändern. Hierbei setzt sie Textilien und Materialität als Werkzeug ein. Ihr transdisziplinärer Forschungsbereich bewegt sich derzeit zwischen Biologie, digitalen und textilen Fertigungsmethodik und Architektur.


Nach ihrem BA Abschluss in Mode an der Hochschule Pforzheim (2018), absolvierte sie im Juni 2020 ihr Masterstudium in Textildesign an der Swedish School of Textiles in Borås. Dort spezialisierte sie sich auf Smart Textiles, Biomaterialien und textile Methoden.
In ihrem Masterprojekt Kera-Plast untersuchte sie die Plastifizierung von keratin-basierten Fasern durch formgepresstes mensch- liches Haar in Bezug auf textile Designmethoden. Die Arbeit hinterfragt zusätzlich unsere derzeitige Ethik bezüglicher nachwach- sender Materialien und den aktuellen Materialkonsum. Das Projekt wurde für den Dorothy Waxman International Textile Design Prize 2020 nominiert und wurde von der Universität Borås mit dem Sustainable Development Award ausgezeichnet.


Seit Oktober 2020 arbeitet sie als Doktorandin am Hub for Biotechnology in the Built Environment, School of Architecture Plan- ning and Landscape, Newcastle University (UK) als Teil der Living Construction and Living Textiles Forschungsgruppe.
Ihr PhD Projekt “Textile Hosting“ untersucht das Gerüstpotenzial von gestrickten Textilien für das programmierbare Wachstum von Myzelien, dem Wurzelgeflecht von Pilzen. Die Erforschung von einer faserbasierten Bio-Fertigungsmethodik für ‚Engineered Living Materials‘ trägt zur Nutzbarmachung sowie Skalierung von Biomaterialien und nachhaltigeren Baumethoden bei.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung «das Dritte Geschlecht. Vielfalt ist mehr» im A.K.T; hat MADFM die Ehre Professor Dr. Johnny Golding zum Gespräch einzuladen.

Sie ist eine Philosophin und Dichterin. Bekannt für ihre Philosophie-Enactments, Installationen und Soundscape-Ausstellungen, ist sie Professor für Philosophie und bildende Kunst sowie Senior Research Tutor am Royal College of Art, London. Goldings Arbeit verortet postnewtonsche Analytik, neue Materialismen und die Erotik des Sinns als „radikale Materie“, eine praxisgeleitete Begegnung mit zeitgenössischer Philosophie, Kunst und den „wilden“ Wissenschaften. Für sie ist die zeitgenössische Philosophie die neue Gay Science - nicht mehr und nicht weniger als „eine bewohnte Art, die Welt zu verstehen“. Alle ihre Arbeiten, so erklärt sie, „werden von Neugier, Experimentierfreude und dem Recht auf freie Meinungsäusserung angetrieben“.

Johnny hat ein Postgraduiertenstudium an den Universitäten von Toronto und Cambridge absolviert. Sie hat an mehreren Kunsthochschulen gelehrt und geforscht, unter anderem als Direktorin des Centre for Fine Art Research an der Birmingham City University, als Direktorin des Institute for the Converging Arts & Aciences, als Professorin für Philosophie in den visuellen Künsten und Kommunikationstechnologien an der University of Greenwich, London, als teaching fellow an der Slade School of Fine Art und als Leiterin der Theorieabteilung / Lead Researcher, Experimental Research in Fine Art, Design & Theory an der Jan van Eyck Academie, Maastricht. Für sie ist „das Grossartige an der Kunst und der Kunstschule, dass sie sich weigern, eingegrenzt zu werden.“

Ihre jüngsten Texte und poetisch-philosophischen Installationen wurden auf der Biennale in Venedig sowie in Wien, Bogotá und Berlin ausgestellt.

«weniger schlecht ≠ gut» mit Prof. Dr. Michael Braungart

Der MADFM startet mit Prof. Dr. Michael Braungart, Mit-Pionier des Cradle to Cradle-Konzepts in das Wintersemester 20/21. Er knüpft an die derzeitigen Diskussionen über das Gemeinsame und das Individuelle an, die Herausforderung und das Bedürfnis nach Solidarität und Haltung in globalen Gesellschaften – im Rahmen der aktuellen Ausstellung im a.k.t; „Prekärotopia".

In den letzten Jahren hat sich die Grenze zwischen der sogenannten „digitalen“ und der analogen“ Welt immer mehr aufgelöst. Unsere Gebrauchsgegenstände und Lebensumgebungen werden „smart“ (ungefähr vergleichbar mit einer launischen Hauskatze) und gleichzeitig zunehmend unergründlich (wie ebendiese). Der Klang der Dinge (das Schnurren der Hauskatze) ist eine mögliche sinnliche Manifestation und Kommunikation von (unsichtbaren, rätselhaften) Handlungen und Vorgängen. Da scheint es nur konsequent, die Möglichkeiten der klanglichen Darstellung („Auditory Display“) auch für die Gestaltung interaktiver Gebrauchsgegenstände zu nutzen. Dabei dominieren im Bereich Auditory Display seit Mitte der Achtziger Jahre einfache Gestaltungsparadigmen, die weniger aus künstlerisch-ästhetischen Gestaltungsprozessen, als aus einer vereinfachten Semiotik heraus begründet sind und Anforderungen der Untersuchbarkeit nach wissenschaftlichen Kriterien (kontrollierbare Variablen) zu erfüllen haben. Die Klage über entsprechend „übelklingende“ Auditory Displays begleitet denn auch den Diskurs seit der Begründung des Fachgebietes. Als mögliches Gegenbeispiel – und durchaus Ansporn für diese Untersuchungen – kann die reichhaltige klangliche Palette des New Hollywood, und heute vielleicht der Videogames, dienen, die gleichzeitig avantgardistisch und massentauglich, rätselhaft und informativ, eigenartig und beziehungstauglich sein kann.

Dr. Daniel Hug beschreibt seine Untersuchungen der letzten Jahre, die den Möglichkeitsraum für eine Klanggestaltung interaktiver Gebrauchsgegenstände, Systeme und Umgebungen ausgelotet, und gleichzeitig analytisch-theoretisch untersucht haben. Dabei stellten sich einige methodische Fragen, beispielsweise: Wie extrahieret er erzählerische Grundformen welche sich in der klanglichen Inszenierung von interaktiven Artefakten und Systemen in Sci-fi und Fantasy Filmen verbergen? Wie untersucht er die Interpretation von Dingen und Klängen, die es nicht gibt? Wie erzeugt er diese Dinge auf eine Weise, welche kreative, eigenständige Lösungen ermöglicht, die trotz ihrer Vielfalt vergleichbar sind, und deren Analyse zu Einsichten führt, die eine Basis für weitergehende Gestaltungsbemühungen sein können? Kurz: Wie kann er die Spekulation über mögliche Zukünfte, die künstlerisch-gestalterische Exploration von Klang und Interaktion, und die Systematisierung mit Ziel eines Erkenntnisgewinnes verbinden?

Ist das heutige Ausmaß an Fleischkonsum noch normal oder natürlich? – fragt Koch und Archäologe Nils Stadje. Am Donnerstag, 16. Januar 2020, spricht er um 19 Uhr im MADLAB des A.K.T; über den Fleischkonsum von der Steinzeit bis heute im Rahmen der Ausstellung „Meat the Future“. Der Erforscher der kulinarischen Vergangenheit erkundet die Welten der letzten 50.000 Jahre Ess- und Kochgeschichte. Bereits um 18 Uhr führt Christine Lüdeke, Studiengangleiterin im Master Design & Future Making durch die Ausstellung „Meat the Future“. Der Eintritt ist frei.

Nils Stadje arbeitete viele Jahre als Archäologe auf Ausgrabungen in Deutschland, Österreich, Italien und Griechenland. Darüber hinaus spezialisierte er sich auf die Archäologie des Essens und Kochens. Sein Interesse daran ging so weit, dass er mit Ende 30 noch eine Kochlehre in der gehobenen Gastronomie absolvierte. In seinem Vortrag wirft er einen Blick auf den Fleischkonsum von der Steinzeit über die Antike und das Mittelalter bis in die Gegenwart. Wie hat der Mensch seine Umwelt gestaltet, um Fleisch auf den Teller zu bekommen? Wie viel Fleisch wurde in den verschiedenen Epochen verzehrt? Der Blick zurück schärft den Blick in die Zukunft auf „Meat the Future“.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Meat the Future“, die vom Cube Design Museum und dem Next Nature Network konzipiert wurde und bis zum 26. Januar 2020 im A.K.T; in Pforzheim gezeigt wird. Für die Ausstellung hat ein Team aus Köche*innen, Designer*innen, Ingenieure*innen und Künstler*innen 30 Zuchtfleischgerichte entwickelt, die in Zukunft auf unseren Tellern liegen könnten. Weil sich Zuchtfleisch noch in der Entwicklung befindet, kann man die Gerichte zwar (noch) nicht essen. Sie können allerdings ein Ausgangspunkt sein, um über die Esskultur der Zukunft nachzudenken und zu diskutieren.

Blog und Podcast von Nils Stadje: www.kochendurchdieepochen.com

Im MADLAB, dem Labor des Master-Studienganges Design & Future Making (MADFM) geht es diese Woche um die Frage, wie wir in Zeiten ökologischer Grenzwerte und technologischer Verfügbarkeit die ökonomische Frage und die soziale Frage verantwortlich bewältigen sollen. Mit dabei: kybernetische Phantasien, Weltmodelle und die Einsicht in die Grenzen der Vernunft.


Die Gäste: 

Nico Formanek: Doktorand und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am High Performance Computing Center Stuttgart (HLRS). Seine Forschungsschwerpunkte sind Veränderungen in der Physik, die durch Computersimulationen verursacht werden. Sein aktuelles Projekt: „The transformation of science by computer simulation: Physics and the simulation of Nature“.

Philipp Dörflinger: Gehört seit 2019 für die Junge Liste dem Gemeinderat von Pforzheim an und ist Gründer und Geschäftsführer von „Campaigners Network“. 

Die Diskussionsleitung hat Prof. Dr. Gerhard M. Buurman, MADFM

Dr. Meike Eckstein – 'Forschen mit dem Stift‘ 

Dr. Meike Eckstein berichtet von ihrer Dissertation, in der sie praxisbasiert, experimentell und ohne theoretische Verortung, Fragestellungen mit dem Stift in der Hand nachgeht. Meike Eckstein lebt und arbeitet in Zürich. Sie hat in Köln, Paris und Glasgow Design studiert. In ihren Arbeiten weigert sie sich, sich auf ein bestimmtes Medium oder eine Disziplin zu beschränken. Sie gestaltet was auch immer zur Situation passt, ob es nun Objekte, Räume, Bilder, Texte oder ein Mix aus allem ist.

Sie sagt über sich und ihre Art zu arbeiten: 'Ich nutze den Stift in der Hand, um auf Papier Evidenz zu erzeugen. Ich handhabe die nicht zu beantwortende Frage danach, wo Bilder herkommen, als Motor, um immer wieder aufs Neue zu zeichnen und zeichnen zu lassen. In Selbst- und Fremdexperimenten sind so weit über 2000 Zeichnungen entstanden. Ich gebe Einblicke in mein Labor, meine Versuchsanordnungen, meine Irrwege und Funde und bewege mich dabei irgendwo zwischen Nutzen, Wahrheitsfindung und Erfahrung. In diesem Dazwischen versuche ich, mich unbeirrt mit dem Stift auf die Suche zu begeben und mir wieder und wieder die Frage zu stellen: Wo kommen Bilder her?'

Die Ware »Erkenntnis«

Am 15. November 2018 hat Clemens Winkler, Dozent der Zürcher Hochschule der Künste und gefragter Designer und Experimentator einige beeindruckende Beispiele abgeliefert, was wir unter »Narrative Materials« verstehen können. Studierende und Gäste des MA Design & Future Making konnten eine aktive und wirkmächtige Materie erleben und erhielten spannende Einblicke in Winklers Arbeit zu neuen, materialbasierten Sprachen. Die Undiszipliniertheit seines »alchemistischen Theaters« vermittelte impressionistische Komplikationen einer entstehenden postdigitalen Neo-Natur. Clemens Winkler hat damit die Vortragsreihe »Discours de la méthode« eröffnet, die der MA Design & Future Making in 2019 mit weiteren Gästen fortsetzen wird.

Der »Discours de la méthode« (1637) gilt bis heute als wirkmächtiges Manifest einer wissenschaftlichen Rationalität und Lehrbuch unseres Methodenbewußtseins. Für den modernen Menschen sind aber nicht nur die vier Regeln von Bedeutung, die René Descartes zur Erlangung wahrer Erkenntnis aufgestellt hat. Von ebensolcher Bedeutung ist die ganz generelle Frage, wie sich der moderne Mensch »unumstößlichen Fragen« kritisch nähern kann. »Akzeptiere nur als wahr, was unbezweifelbar gewiss ist.« Wie könnten wir diese Regel befolgen, nähmen wir sie ernst

Das Café Roland war eine hervorragende und inspirierende Umgebung. Wir kommen wieder, keine Frage.